Innen und Außen"Gut wahrnehmen" - was könnte das bedeuten? Mir fällt gleich einmal (wieder) der damals von Lena Rothstein (2023) - Sängerin, Schauspielerin, Autorin und Tochter eines jüdischen Emigranten - im Radio vorgetragene jüdische Witz ein, den ich recht weise fand: "Als der Rabbi mit seinem Talmudschüler den Heimweg antritt fragt ihn dieser: 'Sag Rabbi, lebt der Mensch von innen heraus oder von außen herein? Da schaut ihn der Rabbi an, blickt zum Himmel, denkt nach und sagt: Ja!'". "Gut wahrnehmen" wäre somit kein entweder oder sondern eher ein sowohl als auch. Ein "Innen" und "Außen" wahrnehmen - beides! Für Führungskräfte übersetzt könnte "nach Innen" zB bedeuten sich selbst gut wahrzunehmen, im Sinne einer Eigen-Wahrnehmung, Selbst-Klärung ("Stellung beziehen"), die eigene Rollenvielfalt, eines Selbst-Zugangs ("sich spüren") zur eigenen Gefühls-, Bedürfniswelt, zur eigenen Viel-Seitigkeit, Ambi- und Multivalenz, das greifbar, bewusst haben der eigenen "Dynamiken", zB Beziehungsdynamiken, Konfliktdynamiken, etc.; "nach Außen" könnte im Sinne einer differenzierten Wahrnehmung der eigenen Führungskontexte, "wichtiger Anderer", zB Mitarbeiter*innen, "Betroffener", der jeweiligen Führungssituationen an sich, einer anstehenden Problemstellung, etc. verstanden werden. Ja, und? Was soll das jetzt bringen, wenn ich Innen und Außen differenziert, "gut wahrnehmen" kann? Dies könnte beachtlichen Einfluss auf das eigene Handeln als Führungskraft haben. Durch eine "Gute Wahrnehmung", werden vielleicht andere, neue, relevante(re) "Infos" bewusstseinsfähig, stehen dadurch als "Klärungs-/Reflexionsmaterial" überhaupt erst zur Verfügung und erweitern das eigene potentielle Handlungsspektrum als Führungskraft, den "Möglichkeitsraum". Ein "einseitiges, enges Führungshandeln" könnte so in ein tendenziell "vielseitigeres, breiter aufgestelltes Führungshandeln" transformiert werden - wesens- und situationsgemäße(re)s Handeln wird möglich. Schön! Gibt es da konkrete "Tools" für (angehende) Führungskräfte? Verändert sich allesEin simples, jedoch mächtiges "Wahrnehmungs-Tool", welches ich gerne und häufig anbiete ist die sogenannte "Third-Person-Perspektive". Dazu einführend eine kurze Anekdote von und mit Heinz von Foerster, dem 2002 verstorbenen österreichischen Physiker, Kybernetiker, Philosoph und - neben Ernst von Glasersfeld - einer der Begründer der erkenntnistheoretischen Schule des Radikalen Konstruktivismus. In einem seiner Vorträge, vor einem Rednerpult stehend, zitiert er seinen "guten, lieben Freund", den chilenischen Biologen und Philosoph Humberto Maturana mit den Worten: "Wir sehen mit den Beinen". Sogleich demonstriert er - recht gewitzt - diese interessante Hypothese Maturanas, indem er das Rednerpult mit ein paar schnellen Schritten nach links außen verlässt, quasi "von der Bildfläche verschwindet". Nur mehr ein kleiner, verschmitzt dargebrachter Nachsatz ist von Heinz "im Off" zu hören: "Sehen sie, es verändert sich alles!" (Link zum Video). In dem wir die eigene Perspektive verändern, nicht nur geistig, sondern auch räumlich, kann sich unser Blick auf etwas - ein Thema, ein Projekt, auf Beziehungen, etc. -, auf jemanden - auf mich, auf Mitarbeiter*innen, etc. - verändern. So können wir, wenn wir (fest-, auf der langen Leitung, etc.) sitzen von unserem Sessel aufstehen, uns ein paar Meter von diesem Sessel, respektive symbolisch gesprochen "von uns", entfernen und auf uns selbst, von außen draufschauen - aus der "Third-Person-Perspektive" in Beziehung zu uns selbst gehen: "Dort sitzt der Butz und denkt darüber nach, was er über die letzte Veranstaltung schreiben könnte - hoffentlich interessiert das überhaupt jemanden. Müde ist er auch ein wenig. Ob jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist?". Doch nicht "nur" uns selbst, sondern auch "wichtige Andere", zB Mitarbeiter*innen, eigene Führungskräfte, "Betroffene", meine/n Partner*in, etc. oder herausfordernde Führungssituationen, Konflikte, Projekte, etc. können wir aus einer "distanzierten Perspektive" - von Außen - betrachten. WirkungenWallace-Hadrill und Kamboj (2016) haben zu dieser "Third-Person-Perspektive" geforscht und erkannt, dass diese Form des Perspektivenwechsels den Selbstzugang, die Selbstregulation und (Selbst-)Empathiefähigkeit ("affect intensity", "Self-Compassion") besonders forciert. Weiters wird durch die sprachliche Veränderung ("semantic change"), die mit der Einnahme einer "Third-Person-Perspektive" einhergeht andere, neue Info und vor allem mehr Kontext sichtbar - die Wahrnehmung weitet sich. Lust dieses Tool auszuprobieren? Du weißt schon: "The proof of the pudding is in the eating." Quellen
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AusrichtungIn diesem Blog verschriftliche ich hilfreiche Impulse im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit im Life- & Business-Coaching, Counseling, Sparring: Persönliche Erlebnisse, Inspirationen, konkrete Anregungen für Ihren persönlichen Weg der Selbstsorge und ein gutes Miteinander.
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Mai 2026
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